Warum Stadtwerke mehr Flexibilität im Ortsnetz brauchen

Regionale Energieversorger stehen heute zwischen dezentraler Erzeugung, komplexem Netzbetrieb und steigenden Anforderungen an die Versorgungssicherheit. Der Zubau von Photovoltaikanlagen, die Wärmewende und die Elektrifizierung des Verkehrs verändern die Lastflüsse in lokalen Verteilnetzen grundlegend.

Für Stadtwerke wird Flexibilität damit zur operativen Kernfrage. Erzeugung, Verbrauch, Netzbelastung und Versorgungssicherheit müssen im eigenen Netzgebiet feingranular aufeinander abgestimmt werden, um teure Netzausbauten zu vermeiden und die Stabilität zu halten.

Ausgangssituation bei den Murauer Stadtwerken

Die Murauer Stadtwerke aus der Steiermark sind nicht nur Stromlieferant. Als regionaler Energieerzeuger und Netzbetreiber steuern sie mit rund 67 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die lokale Energieversorgung– von Stromnetz und Nahwärme über Smart-Home- und PV-Projekte bis hin zur digitalen Versorgung als größter Internet-Provider in Murau.

Das Unternehmen ist strategischer Partner für lokale Wirtschaft, Gemeinden und Institutionen vor Ort. Investitionen in innovative Energietechnologien sind hier keine abstrakten Marktentscheidungen, sondern sichern die Resilienz und Zukunftsfähigkeit der gesamten Region.

Welche Aufgaben der Batteriespeicher im Netz übernimmt

Im Verbund mit der regionalen Infrastruktur übernimmt der Großspeicher mehrere Aufgaben parallel – ein sogenannter Multi-Use-Case:

  • Lastspitzenkappung und Peak Shaving: In Phasen maximaler Netzauslastung wird Energie aus dem Speicher zugeschossen – teure Leistungsspitzen werden gekappt.
  • Netzstabilisierung: Frequenzschwankungen durch volatile Einspeisung werden im Sekundenbereich ausgeglichen
  • Blackout-Prävention: Leistungsreserven sichern die kritische Infrastruktur bei überregionalen Netzausfällen ab.
  • Reduktion von Ausgleichsenergie: Abweichungen zwischen angekündigtem Verbrauch und tatsächlicher Einspeisung im Bilanzkreis werden minimiert – das senkt Kosten.
  • Optimierung regionaler Lastflüsse: Lokal erzeugter Strom wird intelligent verteilt, um Transformatoren und Leitungen zu entlasten.

Technische Umsetzung: 10 MWh Speicherleistung für regionale Flexibilität

Die Gesamtanlage besteht aus zwei autarken Speichercontainern mit je 5 MWh – zusammen 10 MWh nutzbare Kapazität. Die Systemleistung beträgt 4,8 MW, was hohe Energieflüsse in kürzester Zeit ermöglicht.

ADS-TEC Energy liefert die Lösung als schlüsselfertiges System inklusive Trafo, Wechselrichter und weiterer Systemkomponenten. In Kooperation mit 4INNION liefert ADS-TEC Energy das ReSCADA von 4INNION. Erst dadurch lässt sich der Speicher tatsächlich in dieser Breite steuern: Stadtwerke erhalten eine Plattform, über die sie nicht nur ihren Speicher überwachen, sondern auch alle genannten Anwendungen tatsächlich steuern.

Der Standort direkt bei einem bestehenden Wasserkraftwerk der Stadtwerke und einer anliegenden Trafostation minimiert Übertragungsverluste und schafft logistische Synergien.

Wie der Speicher regionale Wasserkraft und Photovoltaik besser nutzbar macht

Der Speicher wird gezielt mit Energie aus regionaler Wasserkraft und lokalen Photovoltaikanlagen geladen. Solarstrom fällt zur Mittagszeit in Spitzen an, Wasserkraft unterliegt saisonalen Schwankungen – beides deckt sich selten exakt mit dem lokalen Verbrauch.

Ohne Speicher müsste überschüssiger Strom günstig ans überregionale Netz abgegeben oder im Extremfall abgeregelt werden. Mit den 10 MWh Kapazität kann die grüne Energie zwischengespeichert und bei steigender Nachfrage eingesetzt werden. Der Bezug aus dem überregionalen Netz kann dadurch gezielt reduziert werden – das stärkt die energetische Autarkie und hält die Wertschöpfung in der Region.

Warum Ersatzstromfähigkeit und Inselbetrieb für Stadtwerke relevant sind

Kommt es zu Störungen im übergeordneten Netz kann das System von ADS-TEC Energy innerhalb kürzester Zeit ein eigenständiges, stabiles Inselnetz aufbauen und die notwendige Spannungs- und Frequenzreferenz liefern.

Das bedeutet: Alle Netzkunden im Versorgungsgebiet, insb. kritische Verbraucher – medizinische Einrichtungen, Schulen, Einsatzorganisationen, digitale Infrastruktur – können bei großflächigen Ausfällen zuverlässiger weiterversorgt werden. Für Stadtwerke ist der Batteriespeicher damit nicht nur ein wirtschaftliches Asset, sondern ein strategischer Baustein regionaler Resilienz und gelebter Katastrophenvorsorge.

Warum sich die Murauer Stadtwerke für ADS-TEC Energy entschieden haben

Bei einem Projekt dieser Komplexität brauchten die Murauer Stadtwerke keinen anonymen Lieferanten, der lediglich die Hardware ausliefert, sondern einen Partner mit Systemverständnis für den gesamten Projektablauf.

Was hat die Murauer Stadtwerke überzeugt?

„Die Tatsache, dass ADS-TEC Energy nicht ausschließlich als Lieferant aufgetreten ist, sondern gemeinsam mit uns eine auf unsere spezifischen Anforderungen zugeschnittene Lösung entwickelt hat. Durch die enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit konnten individuelle Anforderungen, insbesondere im Hinblick auf die Inselbetriebsfähigkeit und die Versorgungssicherheit, berücksichtigt und technisch umgesetzt werden. Dadurch entstand eine maßgeschneiderte Lösung, die über eine Standardlösung hinausgeht und optimal auf unsere Bedürfnisse abgestimmt ist“, so Günther Staber, Geschäftsführer der Murauer Stadtwerke GmbH.

Den Ausschlag gaben kurze Abstimmungswege, eine direkte Kommunikation im Angebotsprozess und die enge Begleitung durch das Expertenteam von ADS-TEC Energy – von der Auslegung bis zur Inbetriebnahme. Technische und organisatorische Unterstützung durch das Mutterunternehmen sorgten dafür, dass regionale Wertschöpfungsketten eng gehalten werden konnten.

Günther Staber fasst es so zusammen: „Was wir an der laufenden Zusammenarbeit mit ADS-TEC Energy besonders schätzen, sind die kurzen Wege und die enge Abstimmung im Projektverlauf. Die Zusammenarbeit ist partnerschaftlich und man spricht „die gleiche Sprache“, wodurch Fragestellungen schnell und zielgerichtet gelöst werden können. Diese direkte Kommunikation ist aus unserer Sicht ein wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Zusammenarbeit.“

Was andere Stadtwerke aus dem Projekt lernen können

Das Projekt in Murau hat Signalwirkung für die kommunale Energiewirtschaft im deutschsprachigen Raum. Vier Lehren stechen dabei heraus:

  • Zur lokalen Netzsituation passen: Großspeicher entfalten ihre Wirkung nur, wenn sie exakt auf die vorhandenen Erzeugungsstrukturen und die spezifische Netzlage abgestimmt sind – eine Standardlösung von der Stange funktioniert hier nicht.
  • Multi-Use-Wirtschaftlichkeit nutzen: Nachhaltige Amortisation entsteht selten über einen einzigen Use Case – Murau zeigt, wie die Kombination mehrerer Funktionen den Business Case robust macht.
  • Systemkompetenz vor Hardwarepreis: Stadtwerke benötigen bei komplexen Infrastrukturprojekten Partner mit tiefgreifendem Systemverständnis – von der Auslegung über die Softwareintegration bis zum langfristigen Service.
  • Speicher als Steuerungselement begreifen: Der Batteriespeicher ist kein Zusatzsystem mehr. Er wird zum flexiblen Steuerungselement im kommunalen Energiesystem, das Netz, Erzeugung und Versorgungssicherheit aktiv verbindet.
FAQ

Was Stadtwerke über Großspeicher wissen wollen